Andris Nelsons verlangsamt Mahlers Kosmos

Wer heutzutage eine Gesamteinspielung der zehn Sinfonien von Gustav Mahler auf den Markt bringt, behauptet sich nicht bloß gegen eine unüberschaubare Fülle von Konkurrenzprodukten, sondern gegen ein gewaltiges historisches Erbe. Die Deutsche Grammophon veröffentlicht nun jenen Live-Zyklus, den die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Andris Nelsons über einen Zeitraum von acht Jahren hinweg im Musikverein, im Konzerthaus und bei den Salzburger Festspielen aufgezeichnet haben.

Gustav Mahler
The Symphonies

Wiener Philharmoniker
Andris Nelsons, musikalische Leitung

Deutsche Grammophon, 486 7667 (12 CDs)

von Dirk Schauß „Gustav Mahler The Symphonies, Wiener Philharmoniker Andris Nelsons
klassik-begeistert.de, 23. Oktober 2026“
weiterlesen

Nathalie Stutzmann in Zürich: Laut ist nicht immer gut

Foto: Nathalie-Stutzmann (c) Daniele Ratti

Wagner im Konzertsaal – eine nicht ganz einfache Geschichte. Wagner war Opernkomponist durch und durch und komponierte für den Orchestergraben, den Parsifal dann sogar für ein zu großen Teilen unter der Bühne plaziertes Orchester in Bayreuth. Die Konzertversionen seiner Ouvertüren und einiger anderer Auszüge seiner Opern und Musikdramen gehen auf ihn selbst zurück, der mit Konzerttourneen schlicht Geld verdienen musste.

Tonhalle Zürich, 21. Oktober 2026

Tonhalle-Orchester Zürich
Nathalie Stutzmann / Leitung

Christina Nilsson / Sopran

Richard Wagner (1813-1883) / Ouvertüre zu „Rienzi“

Richard Wagner (1813-1883) / Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde“

Johannes Brahms (1833-1897), Sinfonie Nr. 1 c-Moll Opus 68

von Julian Führer „Tonhalle-Orchester Zürich Nathalie Stutzmann / Christina Nilsson
Tonhalle Zürich, 21. Oktober 2026“
weiterlesen

Krzysztof Bączyk: „Ich habe etwas von Leporello in mir“

Foto: Krzysztof Bączyk © Ksenia S. Photography

Krzysztof Bączyk begann seine Gesangsausbildung an der Jerzy-Kurczewski-Chorschule in Posen. Anschließend absolvierte er ein Gesangsstudium an der dortigen Ignacy-Jan-Paderewski-Musikhochschule und bildete sich an der Opernakademie des Teatr Wielki – Nationaloper weiter. Im Jahr 2011 debütierte er am Teatr Wielki in Posen als Pope in Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“.

Jolanta Łada-Zielke im Gespräch mit dem polnischen Bass Krzysztof Bączyk

klassik-begeistert: Sie waren zwölf Jahre lang Mitglied des Posener Knabenchors „Polskie Słowiki“ (Polnische Nachtigallen). Was hat Sie dazu bewogen, eine Solokarriere einzuschlagen?

Krzysztof Bączyk: Der unmittelbare Anstoß war eine Sehnsucht nach dem Singen, die ich nach einer einjährigen Pause verspürte. Ich besuchte nämlich eine Grundschule, die mit einem Gymnasium verbunden war[1]. Nach dem Unterricht fanden dort Chorproben statt, sodass ich dreimal wöchentlich von acht Uhr morgens bis sieben Uhr abends in der Schule verbrachte. Es kamen natürlich öffentliche Auftritte und Konzertreisen hinzu. Oft beneidete ich meine Freunde aus der Nachbarschaft, die nach der Schule Fußball spielen gingen und irgendwann hatte ich einfach genug von dieser Musik. Die Chorschule dauerte insgesamt neun Jahre. Danach habe ich an ein allgemeinbildendes Lyzeum gewechselt, doch schon nach einem Jahr habe ich das Singen vermisst. Deshalb bin ich mit meinen Bekannten zu einem Theater- und Musikfestival nach Bad Hersfeld gefahren, wo ich anschließend fünf Jahre in Folge im Festspielchor mitgewirkt habe. „klassik-begeistert im Gespräch mit dem polnischen Bass Krzysztof Bączyk
klassik-begeistert.de, 23. Oktober 2026“
weiterlesen

DIE FREITAG-PRESSE, 23. OKTOBER 2026

Helen Donath in Pique Dame; Foto Bettina Stöß

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden:
DIE FREITAG-PRESSE, 23. OKTOBER 2026

Hannover
Klein beleuchtet kurz 80: Tschaikowskis „Pique Dame“ in Hannover mit Helen Donath gerät zum Ereignis
Mit Tschaikowskis „Pique Dame“ hat die Staatsoper Hannover die neue Spielzeit mit einem Werk eröffnet, in dem sich gesellschaftliches Strebertum, zwanghafte Leidenschaft und menschliche Abgründe auf eindrückliche Weise verbanden. Die Regie Roland Schwabs richtete einen konsequenten Fokus auf Hermanns Abstieg, seinen eigentlich unbedingten Aufstiegswillen und seine daraus folgende immer stärker zunehmende Selbstzerstörung.
Von Patrik Klein
Klassik-begeistert.de „DIE FREITAG-PRESSE, 23. OKTOBER 2026
klassik-begeistert.de, 23. Oktober 2026“
weiterlesen

Die Schrammelmusik lässt in die Wiener Seele blicken

Theresa Aigner © Andreas Ströbl

Musikstadt Wien – das bedeutet natürlich Staatsoper, Musikverein, Konzerthaus und Theater an der Wien. Aber die echte Wiener Volksmusik hört man nicht in den großen Sälen, sondern in Heurigenlokalen, auf Weingütern oder in den Buschenschänken (in Deutschland sind das die „Straußwirtschaften“). Will man nicht in einer der Touristenfallen mit Reisebussen und zum Klischee verkommener Schunkelfolklore landen, dann sucht man am besten eines der Traditionslokale in Stammersdorf, Strebersdorf, Nußdorf oder Ottakring auf. Oder man geht zum Weingut Hengl-Haselbrunner nach Döbling, wo am 14. Oktober 2026 die „Caféhausschrammeln“ ein mitreißendes Programm zum Besten gaben.

Iglaseegasse 10, 1190 Wien, 14. Oktober 2026

„Das größte Glück“ – Konzert im Weingut Hengl-Haselbrunner

Die Caféhausschrammeln:

Theresa Aranya Aigner, Geige
Julia Kainz, Geige
Tommy Hojsa, Akkordeon und Gesang
Rudi Koschelu, Kontragitarre und Gesang

von Dr. Andreas Ströbl

„Die Caféhausschrammeln
Weingut Hengl-Haselbrunner, 1190 Wien, 14. Oktober 2026“
weiterlesen

John Neumeiers Ballette müssen in Hamburg weiter gepflegt werden

Charlotte Larzelere (Manon Lescaut), Alexandre Riabko (Des Grieux), Michal Bialk (am Flügel), Anna Laudere (Marguerite Gautier), Jakob Feyferlik (Armand Duval), Markus Lehtinen (musikalische Leitung), Futaba Ishizaki (Prudence Duvernoy), Matias Oberlin (Gaston Rieux), Olivia Betteridge (Olympia), Emiliano Torres (Graf N.) (Foto: RW)

Das Neumeier-typische Ballett ist nicht auf tänzerische Akrobatik und auch nicht auf schauspielerische Präsenz ausgelegt, sondern auf das Verwachsen mit der Rolle. Und das, ohne die vorhandenen immensen technischen Schwierigkeiten zu vernachlässigen. Vielmehr sollten diese so verinnerlicht und eingeübt sein, dass sie als Ausdruck der Empfindung und nicht mehr als artistische Leistung erkennbar sind.

Hamburgische Staatsoper, Hamburg Ballett, 21. Oktober 2026

Die Kameliendame, Ballett von John Neumeier

Bühnenbild und Kostüme: Jürgen Rose

Musik: Frédéric Chopin
Musikalische Leitung: Markus Lehtinen
Am Flügel: Michal Bialk, Ondrej Rudčenko

von Dr. Ralf Wegner

„Die Kameliendame, Ballett von John Neumeier
Hamburgische Staatsoper, Hamburg Ballett, 21. Oktober 2026“
weiterlesen

Klein beleuchtet kurz 80: Tschaikowskis „Pique Dame“ in Hannover mit Helen Donath gerät zum Ereignis

Helen Donath als Gräfin in Pique Dame; Foto Patrik Klein

Ein Abend von atemberaubender musikalischer Intensität – und eine Gräfin, die unter die Haut geht

Staatsoper Hannover, 21. Oktober 2026

Tschaikowski „Pique Dame“

Inszenierung: Roland Schwab
Bühne: Piero Vinciguerra
Kostüme: Gabriele Rupprecht
Licht: Andreas Schmidt

Chor: Lorenzo Da Rio
Musikalische Leitung: Tobias Wögerer

Chor der Staatsoper Hannover, Kinderchor der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

von Patrik Klein

Mit Tschaikowskis „Pique Dame“ hat die Staatsoper Hannover die neue Spielzeit mit einem Werk eröffnet, in dem sich gesellschaftliches Strebertum, zwanghafte Leidenschaft und menschliche Abgründe auf eindrückliche Weise verbanden.

„Klein beleuchtet kurz 80: Tschaikowskis „Pique Dame“ in Hannover
Staatsoper Hannover, 21. Oktober 2026“
weiterlesen

Hai-Kyung Suh: „Nach 46 Jahren fühle ich mich mit der Paganini-Rhapsodie endlich wohl“ 

© Alpine Baek

Die Pianistin Hai-Kyung Suh gehört zu den gefeierten Künstlern der letzten Jahrzehnte. Als eine der ersten koreanischen Musikerinnen, die in Europa und den USA reüssierten, errang sie Spitzenpreise beim Busoni-Wettbewerb und beim ARD-Musikwettbewerb, spielte zahlreiche Aufnahmen für die Deutsche Grammophon und Decca ein und kehrte nach einer Krebserkrankung, die ihr Leben und ihre Laufbahn beinahe beendet hätte, auf die großen Bühnen wie den Barbican Center, den Seoul Arts Center, der Berliner Philharmonie und der Carnegie Hall, wo sie im Oktober dieses Jahres ein von Publikum und Presse umjubeltes Solorezital spielte, zurück.

Im zweiten Teil unseres Interviews spricht sie über ihr neustes Konzertprogramm, Martha Argerich und ihre Pläne für die nächste Zeit ihrer bereits fünfzigjährigen Karriere.

Johannes Karl Fischer im Interview mit Hai-Kyung Suh, Teil II

klassik-begeistert: Frau Suh, Sie haben vor zwei Wochen in der Carnegie Hall ein Programm mit Brahms, Liszt und einer Uraufführung von Jeajoon Ryu gespielt. Was hat Sie zu diesem Programm inspiriert?

„kb im Gespräch mit der Pianistin Hai-Kyung Suh, Teil II
klassik-begeistert.de, 22. Oktober 2026“
weiterlesen

„Ich entdecke große Komponistinnen“: Dieses Buch begeistert Kinder für Musik

Frauenklang auf Knopfdruck

Buchbesprechung: 

Delphine Renon, „Ich entdecke große Komponistinnen“
Originaltitel: „Je découvre les grandes compositrices“

Illustrationen: Delphine Renon
Schnitt, Mischung und Mastering: Francois Coyault

2026 Annette Betz in der Ueberreuter Verlag GmbH

ISBN  978-3-219-12107-0

von Jolanta Łada-Zielke

Aus den Seiten dieses Buches erklingt Musik auf Knopfdruck. Mama oder Papa können das Fingerchen des Kindes an die richtige Stelle führen, sodass es selbst ein Stück einer der vorgestellten Komponistinnen starten kann:

Elisabeth Jacquet de La Guerre (1665–1729), Clara Schumann (1819–1896), ihre Schülerin Luise Adolpha Le Beau (1850–1927), Rita Strohl (1865–1941) sowie Lili Boulanger (1893–1918). Ich würde noch die kürzlich wiederentdeckte Emilie Zumsteeg (1796–1857) in diesen Kreis aufnehmen – dann wäre auch das Verhältnis zwischen den hier präsentierten französischen und deutschen Komponistinnen ausgeglichen: 3+3 😉

„Delphine Renon, „Ich entdecke große Komponistinnen“
klassik-begeistert.de, 21. Oktober 2026“
weiterlesen

Alena Baeva spielt Jugendwerke voller Feuer und Abschied 

CD-Besprechung:

Zwei frühe Meisterwerke, die beide von Aufbruch, Liebe und stilistischer Selbstfindung erzählen – und eine Geigerin, die ihnen mit klarer Stimme, schlankem Vibrato und erfreulich persönlicher Note begegnet. Alena Baeva hat mit Paavo Järvi und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen die idealen Partner gefunden, um Richard Strauss’ einziges Violinkonzert und Béla Bartóks lange verschollenes erstes Violinkonzert aufzunehmen. Dazu kommt Bartóks erste Rhapsodie – und der Kreis schließt sich auf besondere Weise: Nur wenige Tage nach deren Uraufführung spielte Bartók 1929 in Bremen, im Glockensaal. Genau dort entstand 96 Jahre später diese Aufnahme.

Alena Baeva spielt Strauss und Bartók

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Paavo Järvi, musikalische Leitung

Alpha Classics, ALPHA1185

von Dirk Schauß

„Alena Baeva, Strauss und Bartók, Paavo Järvi, Dirigent
klassik-begeistert.de, 21. Oktober 2026“
weiterlesen