Sulla Piazza wandert mit venezianischen Klängen durch die Lagune

CD-Besprechung:

SULLA PIAZZA

Consort la Capriola

Ricercar, RIC494

von Dirk Schauß

Unter den Arkaden des Markusplatzes zieht ein Consort von Violinen durch die venezianische Nacht. Von der Basilika zu den Salons, von den Gassen in die Tavernen – und am Ende bis zum Morgengrauen. Genau dieses lebendige Fresko zeichnet das Debütalbum von La Capriola. Man hört nicht einfach Renaissance-Musik, man wandert mit.

„SULLA PIAZZA, Consort la Capriola
klassik-begeistert.de, 9. Oktober 2026“
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Daniels Anti-Klassiker 53: Dvořáks „Sinfonie aus der neuen Welt“ ist ein Paradebeispiel für mangelhaften Umgang mit Programmen

ANTONÍN DVOŘÁK Aquarell Porträt – POSTER

Höchste Zeit sich als Musikliebhaber einmal neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen.

Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der so genannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese teilweise sarkastische, teilweise brutal ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

In der Ferne schwelgen, durch die Prärie reiten, die majestätische Schönheit einer „neuen Welt“ bestaunen: Kaum ein Werk fängt diese Idylle so anschaulich und vielschichtig ein, wie Antonín Dvořáks neunte Sinfonie. Buchstäblich – bis heute ist sie das meistgespielte Werk dieses Komponisten. Aber warum eigentlich?

„Daniels Anti-Klassiker 53: Dvořáks „Sinfonie aus der neuen Welt“
klassik-begeistert.de, 10. Oktober 2026“
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Étienne Dupuis: „Wenn ich nicht spielen könnte, würde ich wahrscheinlich aufhören zu singen“

Étienne Dupuis © Tim Weiler

Étienne Dupuis empfängt mich in den Garderoben der Wiener Staatsoper. Dort singt der Frankokanadier in dieser Saison Verdis Posa sowohl im italienischen Don Carlo als auch im französischen Don Carlos. Mit Klassik begeistert spricht der 47-Jährige über Regisseure, Haartransplantation, Kritiken, seine Frau Nicole Car – und darüber, warum ausgerechnet Billy Joel mitverantwortlich dafür ist, dass Dupuis heute Opernsänger ist.

Interview: Jürgen Pathy

klassik-begeistert: Herr Dupuis, Sie haben im Gespräch einen bemerkenswerten Satz gesagt: Wenn Sie nicht spielen könnten, würden Sie wahrscheinlich aufhören zu singen. Ist das Schauspiel für Sie tatsächlich so wichtig?

Étienne Dupuis: Ja. Singen allein ist für mich nicht interessant genug. Gesang und Schauspiel gehören für mich zusammen. Wenn ich eine Rolle bekomme, bei der ich das Gefühl habe, dass die Figur nicht interessant zu spielen ist, frage ich mich tatsächlich, ob ich sie überhaupt machen sollte. Ich liebe das Schauspiel. Ich weiß nicht genau, warum. Das ist einfach ein Teil von mir. „Interview: kb im Gespräch mit Étienne Dupuis, Bariton
klassik-begeistert.de, 9. Oktober 2026“
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Theatralischer Triumph

Die fünfte Aufführung der Macbeth-Inszenierung von Tobias Kratzer geriet an der Hamburgischen Staatsoper zu einem theatralischen Triumph

Inés López Fernández (2. und 3. Erscheinung), Chao Deng (Arzt), Colin Aikins (Malcolm), Alexander Vinogradov (Banco), Nino Machaidze (Lady Macbeth), Simon Keenlyside (Macbeth), Dovlet Nurgeldiyev (Macduff), Mariana Poltorak (Dame der Lady), Hubert Kowalczyk (Diener des Macbeth, Mörder, 1. Erscheinung) (Foto: RW)

Nino Machaidze und Simon Keenlyside setzten ihr Stimmmaterial ganz im Sinne der psychologischen Durchdringung des Dramas ein. Sie ergänzten sich vortrefflich und führten das grausame Ehepaar auf eine bisher von mir nicht erlebte theatralische Höhe. Das alles ist Tobias Kratzer zu verdanken, der sich intensiv mit der Psychologie der handelnden Personen auseinandergesetzt hat.

Macbeth,  Oper von Giuseppe Verdi

Inszenierung:  Tobias Kratzer, Bühne und Kostüme:  Rainer Sellmaier

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg,  Leitung Tomáš Hanus

8. Oktober 2026, 5. Aufführung seit der Premiere vom 12. September 2026

von Dr. Ralf Wegner

„Giuseppe Verdi, Macbeth
Hamburgische Staatsoper, 8. Oktober 2026“
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Verdis „Macbeth“: Eine neue Superstimme zieht in Wien ihre Kreise

Anastasia Bartoli © Instagram

In Wien zieht eine neue Superstimme ihre Kreise. Neben Bariton Étienne Dupuis, der bei Staatsoperndirektor Bogdan Roščić zu Recht eine Dauerkarte besitzt, ragt die Stimme der Italienerin Anastasia Bartoli hervor. Ein doppelter Glücksgriff. 

Macbeth, Giuseppe Verdi
Wiener Staatsoper,
4. Oktober 2026
Francesco Ivan Ciampa, Dirigent
Barrie Kosky, Inszenierung

von Jürgen Pathy

Anastasia Bartoli: Eine Lady Macbeth mit Weltklasseformat

Anastasia Bartolis Timbre ist satt, dunkel, beinahe von einer Mezzofärbung wie jener Anna Netrebkos. Die Höhen sind klar, niemals schrill, und sie beherrscht die gesamte Tessitura wie im Schlaf. Dass sie als Lady Macbeth auch ein wenig rustikal klingen soll, hat sie ebenfalls im Repertoire. Giuseppe Verdi fordert das in seiner 1847 uraufgeführten ersten Shakespeare-Vertonung „Macbeth“ sogar ausdrücklich: Die Stimme der Lady soll herb, erstickt, düster und gerade nicht von makelloser Schönheit sein.

„Giuseppe Verdi, Macbeth
Wiener Staatsoper, 4. Oktober 2026“
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DIE FREITAG-PRESSE – 9. OKTOBER 2026

Einzelvorhang für Polina Semionova als Emma Bovary (Foto: RW)

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE FREITAG-PRESSE – 9. OKTOBER 2026

Berlin/Staatsballett
War Emma Bovarys Leben tatsächlich so trist grau, wie es Christian Spuck beim Staatsballett Berlin zeigt?
Polina Semionova ist eine großartige Tänzerin. Wie sie aus der Körpermitte heraus Körperspannung erzeugt, diese bei den Hebungen wie eingefroren hält, und danach mit fließenden, eleganten Bewegungen weiter tanzt, ist beeindruckend. Vom Typus her ist sie aber keine Emma Bovary.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik.begeistert.de

„DIE FREITAG-PRESSE – 9. OKTOBER 2026“ weiterlesen

Daniels Anti-Klassiker 52: Brahms problematische „Haydn-Variationen“

POSTER Karikatur von Johannes Brahms, Komponist von Neale Osborne
Bridgeman Images

Höchste Zeit sich als Musikliebhaber einmal neu mit der eigenen CD-Sammlung oder der Streaming-Playlist auseinanderzusetzen.

Dabei begegnen einem nicht nur neue oder alte Lieblinge. Einige der so genannten „Klassiker“ kriegt man so oft zu hören, dass sie zu nerven beginnen. Andere haben völlig zu Unrecht den Ruf eines „Meisterwerks“. Es sind natürlich nicht minderwertige Werke, von denen man so übersättigt wird. Diese teilweise sarkastische, teilweise brutal ehrliche Anti-Serie ist jenen Werken gewidmet, die aus Sicht unseres Autors zu viel Beachtung erhalten.

von Daniel Janz

Der Variationszyklus ist eine Musikgattung, in der ein Thema in stets veränderter Form wiederholt wird. Entwicklung steht nicht im Vordergrund, sondern die Wiedererkennbarkeit bei Anpassung melodischer, rhythmischer, harmonischer oder satztechnischer Gestalt. Variationszyklen bilden für gewöhnlich keine Handlung oder Kontraste mehrerer Themen ab. Als „rein musikalische Schöpfung“ gelten sie deshalb seit Jahrhunderten als „musikgeschichtlich abgeschlossen“, beschränkt und absurd. „Daniels Anti-Klassiker 52: Johannes Brahms „Haydn-Variationen“
klassik-begeistert.de, 8. Oktober 2026“
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Lalandes Tafelmusik schenkt ein bisschen Wein aus dem Lautsprecher

Stellen Sie sich vor: Versailles ist weit, der König speist noch nicht, und in Lalandes Haus wird geprobt. Der Koch Massialot kommt nicht nur mit Speisen und Getränken, sondern liest auch Briefe und Zeitungen vor, die die Postkutsche gebracht hat. Genau dieses Bild hat sich Hervé Niquet für sein neues Album ausgedacht – und es funktioniert wunderbar. Man sitzt quasi mit am Tisch, die Musik spielt direkt vor einem, und zwischendurch darf auch einmal herzlich gelacht werden.

LALANDE
Suites pour les Soupers du Roy

Hervé Niquet & Le Concert Spirituel 

Alpha Classics, ALPHA1272

von Dirk Schauß 

„Lalande, Suites pour les Soupers du Roy, Hervé Niquet & Le Concert Spirituel 
klassik-begeistert.de, 8. Oktober 2026“
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Geneva Lewis zaubert feine Kontraste mit Barber · Zorn · Glass

CD-Besprechung:

Barber – Zorn – Glass

Geneva Lewis, Violine
BBC Scottish Symphony Orchesta
Gemma New, musikalische Leitung

Delos, DE3638

von Dirk Schauß

Frauen-Power in Reinkultur – und zwar mit offener Flamme. Geneva Lewis, von 2022 bis 2024 BBC New Generation Artist, Avery-Fisher- und Borletti-Buitoni-Preisträgerin, legt mit diesem Debütalbum ein hochkarätiges, rein amerikanisches Programm vor. Drei Werke, die sie „so tief liebt“, wie sie selbst schreibt: Barbers Violinkonzert als alten, teuren Freund, in dem man fliegen kann; Zorns Partita for the Firebird, in der „jede Note brennt und dein ganzes Selbst fordert“; und Glass’ erstes Violinkonzert, das ihr monatelang im Kopf herumgeisterte. Das Ergebnis fühlt sich lebendig an – genau so, wie sie es wollte.

„Barber – Zorn – Glass, Geneva Lewis, Violine
klassik-begeistert.de, 8. Oktober 2026“
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War Emma Bovarys Leben tatsächlich so trist grau, wie es Christian Spuck beim Staatsballett Berlin zeigt?

Einzelvorhang für Polina Semionova als Emma Bovary (Foto: RW)

Polina Semionova ist eine großartige Tänzerin. Wie sie aus der Körpermitte heraus Körperspannung erzeugt, diese bei den Hebungen wie eingefroren hält, und danach mit fließenden, eleganten Bewegungen weiter tanzt, ist beeindruckend. Vom Typus her ist sie aber keine Emma Bovary.

Bovary, Tanzstück von Christian Spuck nach dem Roman von Gustave Flaubert

Musik u.a. von Camille Saint Saëns, Thierry Pécou, György Ligeti

Choreographie und Inszenierung: Christian Spuck
Bühne: Rufus Didwiszus, Kostüme: Emma Ryott

Orchester der Deutschen Oper Berlin, musikalische Leitung: Robert Reimer

Klavier: Alina Pronina, Stimme: Marina Frenk

Staatsballett Berlin, Deutsche Oper, 6. Oktober 2026

von Dr. Ralf Wegner

„Bovary, Tanzstück, Choreographie Christian Spuck, Staatsballett Berlin
Deutsche Oper, 6. Oktober 2026“
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