Lloyd Riggins: „Wichtig ist, dass der Tanz über das Gefühl läuft“, Teil II: Der Ballettmeister

Lloyd Riggins 2013 © Holger Badekow

Ballett-Sprünge und Drehungen dürfen nicht zur Show ausarten. Manchmal vergessen die Tänzer das und zeigen ihr technisches Können nur für die Zuschauer. Das soll nicht sein. Die technischen Schwierigkeiten in einer Ballett-Aufführung müssen immer im Sinne des Stücks und nicht als artistische Showeinlage getanzt werden.

klassik-begeistert im Gespräch mit Lloyd Riggins, dem künstlerischen Ballettdirektor des Hamburg Balletts, Teil II

von Dr. Ralf Wegner „kb im Gespräch: Lloyd Riggins Der Ballettmeister, Teil II
Hamburgische Staatsoper, 26. April 2026“
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Ein traumhafter Wienbesuch geht mit Anna Netrebko als Schlagobershäubchen zu Ende

Ivan Gyngazov, Anna Netrebko © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Giacomo Puccini      Tosca
Melodramma in drei Akten

Musikalische Leitung:  Daniel Oren
Inszenierung:  Margarethe Wallmann
Bühne und Kostüme:  Nicola Benois

Floria Tosca:  Anna Netrebko
Mario Cavaradossi:  Ivan Gyngazov
Baron Scarpia:  Christopher Maltman
Cesare Angelotti:  Clemens Unterreiner
Mesner:  Dan Paul Dumitrescu
Spoletta:  Devin Eatmon
Sciarrone:  Hans Peter Kammerer

Wiener Staatsoper, 18. April 2026

von Iris Röckrath

Die Besetzung der Tosca mit Anna Netrebko deutete natürlich schon darauf hin, dass es ein spektakulärer Abend werden würde. Für meinen Geschmack wurde dieses Gefühl noch übertroffen!

Schon im ersten Akt konnte Ivan Gyngazov in der Rolle des Cavaradossi stimmlich alles überstrahlen. Herrlich, wie er seinen tenoralen Glanz makellos schon in seiner ersten Arie einsetzt. Dafür gibt es schon die ersten Bravos. Mit dem Bühnenbild der Kirche Sant’Andrea della Valle kann ich nach intensivem Wien-Kirchen-sightseeing gut leben. Mit der Inszenierung, wenn es denn eine gab, weniger. Insgesamt wurde gern „an der Rampe“ gesungen, was den Sängern natürlich zuträglich war. „Giacomo Puccini, Tosca, Anna Netrebko
Wiener Staatsoper, 18. April 2026“
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Auf den Punkt 89: Rezensentenschelte oder Selbstreflexion?

Yoel Gamzou © Karpati Zarewicz

Mit Maestro Yoel Gamzou am Künstlereingang

Im Vorfeld der Wiederaufnahme von Webers Freischütz hat mir Yoel Gamzou viel Zeit gewährt, bitte lesen Sie den großartigen Interview-Zweiteiler mit vielen spannenden Antworten hier bei klassik-begeistert.  Nach Interviews schreibe ich in der Regel nicht über künstlerische Leistungen meiner Gesprächspartner – das könnte schnell mal missverstanden werden, als anbiedernd oder unverschämt … Daher sagte der Maestro, als wir uns verabschiedet haben: Vielleicht rufen Sie mir nach der Vorstellung, am Künstlereingang, kurz zu, wie es Ihnen gefallen hat. Das wäre klasse. Ich habe das natürlich sofort zugesagt – doch dann kamen mir Zweifel, ob das so klug war …

Carl Maria von Weber   Der Freischütz

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Yoel Gamzou   Dirigent

Hamburgische Staatsoper, 23. April 2026

von Jörn Schmidt

… denn das Verhältnis zwischen Künstler und Kritiker ist nicht immer einfach. Woher kommt das? Nun, Kritiker denken, sie vermitteln zwischen Bühne und Publikum. Ordnen die Dinge ein usf. Mancher Künstler dagegen gewinnt bei der Lektüre unserer Texte offenbar den Eindruck, da sei ein verhinderter Künstler am Werk. Ein Minderbegabter sozusagen … Und da beide Berufsgruppen irgendwie voneinander abhängig sind, gibt das schnell mal eine toxische Mischung. „Auf den Punkt 89: Rezensentenschelte oder Selbstreflexion?
Hamburgische Staatsoper, 25. April 2026“
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„Nacht stürzt herab, und alles wird Musik“

Buchbesprechung:

Franz Willnauer (Hrsg.), Gustav Mahler – Vom Elend eines Genies. Unbekannte Briefe, Dokumente, Erinnerungen

von Dr. Andreas Ströbl

Meist steht die Idee zu einem Buch vor dem Sammeln, aber es geht auch andersherum. In mehreren Jahrzehnten der Beschäftigung mit Gustav Mahler hat Franz Willnauer bislang kaum oder gar nicht bekannte Dokumente, Erinnerungen und Briefe von und über Mahler gesammelt, und sich nun entschlossen, dieses aufschlussreiche Konglomerat einer interessierten Leserschaft zugänglich zu machen. Willnauer ist vielen Mahler-Freunden durch seine beiden Brief-Editionen „Verehrter Herr College!“ (2010) und „In Eile – wie immer“ (2016) wohlbekannt. „Franz Willnauer (Hrsg.), Gustav Mahler
klassik-begeistert.de, 25. April 2026“
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Blomstedts Bruckner beschert den Berlinern den saisonalen Höhepunkt

Herbert Blomstedt © Stephan Rabold

Der Abend war rundum geprägt von großer Dankbarkeit auf allen Ebenen, einer Dankbarkeit für das Erleben von Bruckners herrlicher Musik, für die phänomenale Leistung von Herbert Blomstedt, seine Freude, sein Erleben mit den Musikern zu teilen, und deren Freude, für ihn und mit ihm zu musizieren. Auch das Publikum ist sichtlich bewegt und will den sympathischen Künstler kaum gehen lassen. Nachdem das Podium schon leer ist, zeigt er sich ganz allein noch ein letztes Mal mit seinem Rollator. Er ist nicht nur ein Phänomen, es ist auch seine positive Ausstrahlung, die auf sein Wirken und sein ganzes Auftreten abstrahlt.

Anton Bruckner    Sinfonie Nr.7

Berliner Philharmoniker
Herbert Blomstedt, Leitung

Philharmonie Berlin, 23. April 2026

von Kirsten Liese

Es sind immer besondere Abende, wenn Herbert Blomstedt die Berliner Philharmoniker leitet. Mittlerweile 98 (!!) Jahre alt, ist er einer der letzten verbliebenen Großen, die das Orchester unter seinen Gastdirigenten noch aufbieten kann. Und solche Altmeister sind nun einmal das Salz in der Suppe eines Spitzenorchesters. „Bruckner, Sinfonie Nr.7, Berliner Philharmoniker, Herbert Blomstedt
April 2026, Philharmonie Berlin, 23. April 2026“
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Jonas Kaufmann und Malin Byström feiern die austro-ungarische Operette

Jonas Kaufmann. Mit freundlicher Genehming von Sony Music © Gregor Hohenberg / Sony Music

Die “silberne” Ära der Wiener Operette wurde maßgeblich durch zwei ungarische Komponisten geprägt: Franz Lehár und Emmerich (Imre) Kálmán. Das Programm der Tournee “Magische Töne”, mit dem Jonas Kaufmann und Malin Byström durch Europa reisen, bietet denn auch vorwiegend Werke dieser beiden Komponisten. Daneben kommen der echte Wiener Johann Strauss, der ungarische Wahlwiener Karl Goldmark und der ungarische Nationalkomponist Ferenc Erkel zu Wort.

Jonas Kaufmann   Tenor
Malin Byström   Sopran

Philharmonie Baden-Baden
Jochen Rieder   Leitung

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 22. April 2026

von Dr. Rudi Frühwirth

Der Abend wurde von der Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Jochen Rieder eröffnet, mit der Ouvertüre zu “Gräfin Mariza” von Emmerich Kálmán. Kálmán hat noch mehr als Lehár die weit verbreitete Vorstellung davon geprägt, wie “ungarische” Musik zu klingen hat: wechselnd zwischen romantischer Schwermut und tänzerischer Ausgelassenheit, nicht ohne die bekannten formelhaften Wendungen, stets bereit für Steigerungen oder verblüffende Wechsel des Tempos. „“Magische Töne”, Jonas Kaufmann und Malin Byström
Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 22. April 2026“
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Lloyd Riggins: „Man muss als Tänzer in den Fluss springen und die Rolle annehmen“, Teil I: Der Tänzer

Lloyd Riggins am 8. April 2026  beim Interview in seinem Büro im Ballettzentrum Hamburg John Neumeier (Foto: RW)

In Hamburg war es unter John Neumeier moderner, irgendwie lebendiger, lebensnaher. Jedes weitere Ballett von ihm war wie neu, so als ob ein anderer Choreograph am Werk gewesen sei.

klassik-begeistert im Gespräch mit Lloyd Riggins, dem künstlerischen Ballettdirektor des Hamburg Balletts, Teil I

von Dr. Ralf Wegner

Lloyd Riggins wurde 1969 in New York geboren, zum Tänzer allerdings in Orlando, Florida, ausgebildet. Ab 1987 tanzte er beim Königlich Dänischen Ballett. 1995 engagierte John Neumeier ihn als Ersten Solisten nach Hamburg. In dieser Position wirkte er nominell noch bis 2024, arbeitete aber seit 2009 bereits als Ballettmeister und hatte seit 2015 unter John Neumeier auch die Position als Stellvertretender Ballettdirektor inne.

2004 wurde Lloyd Riggins als Tänzer mit dem unter dem Patronat der Unesco stehenden Ballettpreis, dem Prix Benois de la Danse, ausgezeichnet. Seit 2025 ist er Interimistischer Künstlerischer Ballettdirektor beim Hamburg Ballett.

„kb im Gespräch: Lloyd Riggins, Teil I, Der Tänzer
Hamburgische Staatsoper, 25. April 2026“
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Christiane Karg liefert in "The Turn of the Screw" eine Wahnsinnsvorstellung

Christiane Karg © Gisela Schenker

Die Staatsoper Berlin lehrt uns das Gruseln und vertraut ganz auf die Macht der Musik. Das Eigentliche bleibt unsichtbar. Die Spannung schraubt sich bis zur letzten Minute immer höher. Wir werden hineingezogen in den Abgrund einer kranken Seele. Die Inszenierung beflügelt unsere Phantasie, das Grauen wächst.

Benjamin Britten
„The Turn of the Screw“

Musikalische Leitung: Finnegan Downie Dear

Inszenierung: Claus Guth
Bühne/Kostüme: Christian Schmidt

Prologue, Peter Quint: Andrew Dickinson
Governess: Christiane Karg
Miles: Nicolò Balducci
Flora: Regina Koncz
Mrs. Grose: Rosie Aldridge

Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 21. April 2026

von Petra und Dr. Guido Grass

Benjamin Brittens Oper „The Turn of the Screw“ basiert auf der gleichnamigen Novelle von Henry James. Die Oper wertet nicht und ermöglicht eine offene Deutung der Handlung.

Geister oder schizophrene Wahnvorstellung?

Die Inszenierung von Claus Guth für die Staatsoper Unter den Linden von 2014 wählt einen sehr schlüssigen und überzeugenden Zugang. Immer tiefer werden wir in die Gedankenwelt der jungen Gouvernante hineingezogen. Das Idyll des Landsitzes, in dem sie allein für die Erziehung zweier Waisen sorgen soll, entpuppt sich mehr und mehr als Horrorhaus. Zunächst sind ihre Ängste und Selbstzweifel sehr verständlich, soll sie doch als junge Frau ein große Verantwortung übernehmen. Selbst repressiv erzogen, sucht sie zwanghaft nach vermeintlichen Vergehen. Ihre eigenen Bedürfnisse unterdrückend, wird sie zur Inquisitorin und wühlt in der Vergangenheit. „Benjamin Britten, The Turn of the Screw
Staatsoper Unter den Linden, Berlin, 21. April 2026“
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DIE SAMSTAG-PRESSE – 25. APRIL 2026

Yoel Gamzou (musikalische Leitung) mit Dovlet Nurgeldiyev, Jane Archibald, Alexander Roslavets und Narea Son (Foto: RW)

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SAMSTAG-PRESSE – 25. APRIL 2026

Hamburg/Staatsoper
Selten habe ich den Max so schön gesungen gehört …
… wie in dieser Freischütz-Serie. Die Inszenierung von Andreas Kriegenburg hat sich eingespielt, sie ist im besten Sinne konservativ, ohne zeitgebunden zu wirken. Nicht zu vergessen ist die Sprechrolle des Samiel. Der schlanke biegsame Schauspieler Clemens Sienknecht  beherrscht  mit seiner Präsenz und Aura nahezu während der gesamten Aufführung die Bühne, und ohne dabei die Rolle zu überzeichnen oder zu dramatisieren.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de

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Selten habe ich den Max so schön gesungen gehört ...

William Desbiens (Kilian), Andrew Hamilton (Ottokar), Jane Archibald (Agathe), Dovlet Nurgeldiyev (Max), Alexander Roslavets (Caspar), Narea Son (Ännchen), Clemens Sienknecht (Samiel), Hubert Kowalczyk (Ein Eremit), Chao Deng (Cuno) (Foto: RW)

wie in dieser Freischütz-Serie

Die Inszenierung von Andreas Kriegenburg hat sich eingespielt, sie ist im besten Sinne konservativ, ohne zeitgebunden zu wirken. Nicht zu vergessen ist die Sprechrolle des Samiel. Der schlanke biegsame Schauspieler Clemens Sienknecht  beherrscht  mit seiner Präsenz und Aura nahezu während der gesamten Aufführung die Bühne, und ohne dabei die Rolle zu überzeichnen oder zu dramatisieren.

Der Freischütz, romantische Oper in drei Aufzügen
Komposition:  Carl Maria von Weber

Inszenierung:  Andreas Kriegenburg

Bühne:  Harald B. Thor
Kostüme:  Andrea Schraad

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung:  Yoel Gamzou

Hamburgische Staatsoper, 23. April 2026

von Dr. Ralf Wegner

Webers Freischütz bietet eine Fülle eingängiger Melodien zwischen einfachem Liedhaften und großer Arie. Was bei der Hamburger Premiere im Jahre 2024 noch fehlte, ein gesanglich überzeugender Max und ein Geistlicher, dessen Stimme nicht im Orchester untergeht, wurde aktuell mit Dovlet Nurgeldiyev als Max und Hubert Kowalczyk als Eremit auf das Schönste eingelöst. „Carl Maria von Weber, Der Freischütz
Hamburgische Staatsoper, 23. April 2026“
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